Die Begutachtung entscheidet über den Pflegegrad
Wenn ihr einen Pflegegrad beantragen wollt, ist der Antrag bei der Pflegekasse nur der erste Schritt. Entscheidend ist die Begutachtung durch den Medizinischen Dienst (MD). Der Gutachter besucht die pflegebedürftige Person zu Hause und bewertet den Grad der Selbstständigkeit in sechs Lebensbereichen. Eine gute Vorbereitung kann den Unterschied zwischen Pflegegrad 1 und 3 ausmachen.
Die sechs Bewertungsbereiche
Der Gutachter prüft diese Module:
- Mobilität: Kann die Person sich selbstständig bewegen, aufstehen, Treppen steigen?
- Kognitive und kommunikative Fähigkeiten: Orientierung, Entscheidungsfähigkeit, Kommunikation
- Verhaltensweisen und psychische Problemlagen: Unruhe, Aggression, Ängste, nächtliche Probleme
- Selbstversorgung: Körperpflege, Anziehen, Essen, Trinken, Toilettengang
- Krankheitsbedingte Anforderungen: Medikamentengabe, Verbandswechsel, Arztbesuche
- Gestaltung des Alltagslebens: Tagesablauf gestalten, soziale Kontakte, Ruhephasen
Pflegetagebuch führen
Mindestens zwei Wochen vor der Begutachtung solltet ihr ein detailliertes Pflegetagebuch führen. Notiert für jeden Tag: Welche Hilfe wurde gebraucht? Wie lange hat die Unterstützung gedauert? Gab es besondere Vorkommnisse? Das Pflegetagebuch ist euer wichtigstes Werkzeug, wenn ihr den Pflegegrad beantragen und einen angemessenen Pflegegrad erhalten wollt.
Tipps für den Tag der Begutachtung
- Nicht „den besten Tag" zeigen: Zeigt die Situation so, wie sie wirklich ist. Viele Betroffene strengen sich beim Gutachterbesuch besonders an – das führt zu einer zu niedrigen Einstufung.
- Angehörige dabei haben: Eine vertraute Person sollte beim Termin anwesend sein und die Situation aus Pflegesicht schildern.
- Unterlagen bereithalten: Arztberichte, Medikamentenplan, Pflegetagebuch und Hilfsmittelverzeichnis griffbereit haben.
- Nichts beschönigen: Schildert auch schwierige Situationen wie nächtliche Unruhe, Inkontinenz oder Sturzgefahr offen.
Nach der Begutachtung: Widerspruch einlegen
Wenn der zugeteilte Pflegegrad zu niedrig ausfällt, könnt ihr innerhalb eines Monats Widerspruch einlegen. Das lohnt sich: Etwa jeder dritte Widerspruch ist erfolgreich. Lasst euch von einer Pflegeberatungsstelle oder einem Sozialverband unterstützen.
Dokumentation hilft beim Pflegegrad beantragen
Je besser eure Dokumentation, desto leichter kann der Gutachter den tatsächlichen Pflegebedarf einschätzen. Mit mendracare könnt ihr das Tagesprotokoll und die Medikamentendokumentation lückenlos führen und zum Begutachtungstermin vorlegen. Das spart Stress und sorgt für eine faire Einstufung.